PRESSEMITTEILUNG
Künzelsau/Hamburg, 1. Juni 2014

Bundesbildungsministerin Wanka kürt Jugend forscht Sieger 2014

Deutschlands beste Nachwuchswissenschaftler in Künzelsau ausgezeichnet

Die Siegerinnen und Sieger des 49. Bundesfinales von Jugend forscht stehen fest. Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat heute in der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau Deutschlands beste Jungforscher ausgezeichnet.
Sie würdigte die Spitzenleistungen der jungen Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist der Wettbewerb ein Schlüsselerlebnis und die erste wichtige Weichenstellung für eine spätere
Karriere in der Wissenschaft“, so Wanka. Der diesjährige Bundeswettbewerb wurde gemeinsam ausgerichtet von der Stiftung Jugend forscht e. V. und der Adolf Würth GmbH & Co. KG. „Die Talente, die Jugend forscht hervorbringt, können in Wirtschaftsunternehmen
eine große Lücke schließen, nämlich die des Fachkräftemangels“, sagte Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit gewannen Lukas Höhne (17) und Lukas Gräfner (16) aus Sachsen-Anhalt. Sie entwickelten einen innovativen 3-D-Drucker, der sich besonders für die Herstellung rotationssymetrischer Teile
eignet. Leonard Bauersfeld (16) aus Baden-Württemberg wurde mit dem Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit ausgezeichnet. Er befasste sich mit einem Sprinkler, der das Wasser anders als üblich nicht ausstößt, sondern ansaugt. Dabei
wies er nach, dass die sogenannte Corioliskraft die Drehung des Sprinklers verursacht.

Den Preis der Bundesministerin für Bildung und Forschung für die beste interdisziplinäre Arbeit erhielten Adrian Huck (19), Daniel Heid (19) und Rafael Quadbeck (17) aus Baden-Württemberg. Sie präsentierten ein ausgereiftes Verfahren zur Biogasentschwefelung
mittels spezieller Bakterien. Bundessieger im Fachgebiet Arbeitswelt wurde Kilian Rebmann (22) aus Baden-Württemberg. Er konstruierte eine neuartige Erntemaschine für schnellwachsende Energiehölzer, die sich vor allem für Hanglagen eignet.

Felix Höfer (16) aus Hamburg siegte im Fachgebiet Biologie. Der Jungforscher untersuchte an Bohnenkeimlingen, wie sich Pflanzen mithilfe bestimmter Proteine, den Fotorezeptoren, an die Lichtverhältnisse in ihrer Umgebung anpassen können. In Chemie
überzeugte Saverio Nobbe (18) aus Berlin die Jury mit seinem innovativen Verfahren zur Erhöhung der Abbrenngeschwindigkeit einer umweltverträglicheren Treibstoffmischung als Alternative für das heute in der Raumfahrt verwandte Chlor.

Maximilian Seidel (19) und Lisa Schuchhardt (18) aus Sachsen-Anhalt entwickelten ein spezielles Verfahren zur Sanierung belasteter Böden. Die Sieger in Geo- und Raumwissenschaften binden dabei Schwermetalle mittels Bakterien, wodurch sich die Wurzelbildung
der Pflanzen stark verbessert. Den Bundessieg in Mathematik/Informatik errang Moritz Uehling (19) aus Baden-Württemberg. Er programmierte einen neuen RSSReader, der über mehr Servicefunktionen verfügt als herkömmliche Softwarelösungen.

Mit Computersimulationen und Methoden der mathematischen Physik analysierte Vincent Stimper aus Sachsen die chaotischen Bewegungen des sogenannten Doppelpendels. Der 18-Jährige siegte im Fachgebiet Physik. Die Technik-Bundessieger Philipp
Mandler (18), Anselm Dewald (18) und Robin Braun (18) aus Hessen konstruierten einen sechsbeinigen, per Smartphone steuerbaren Laufroboter zur Erkundung beispielsweise von eingestürzten Gebäuden in Katastrophengebieten.

Den Preis „Jugend forscht Schule 2014“ der Kultusministerkonferenz der Länder, überreicht von Sylvia Löhrmann, KMK-Präsidentin und NRW-Schulministerin, ging an das Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz für seine vorbildliche MINT-Talentförderung.

Fotos der Teilnehmer gibt es unter „Bundeswettbewerb 2014“ auf www.jugend-forscht.de.

Pressekontakt während des Bundeswettbewerbs:
Dr. Daniel Giese, Stiftung Jugend forscht e. V., Dr. Janina Knab, Adolf Würth GmbH & Co. KG
Tel.: 07940 93113-323, Fax: 07940 93113-324, E-Mail: presse@jugend-forscht.de


PRESSEMITTEILUNG von Volksstimme.de

Die Schwermetall-Vernichter

Zwei Ökohelden starten durch: Maximilian Seidel und Lisa Schuchhardt haben einen Weg gefunden, wie man Pflanzen in bleiverseuchtem Boden beschützt. Dafür gab es jetzt Platz eins bei "Jugend forscht". Ein Patent angemeldet haben die Sachsen-Anhalter auch schon.

Staßfurt l Aneurinibacillus migulanus - was unsereinem nur Knoten in der Zunge beschert, hat zwei Gymnasiasten aus dem
Salzlandkreis den Bundessieg bei "Jugend forscht" eingebracht. Denn jenes Kauderwelsch-Wort ist die Bezeichnung für
eines von zwei Bakterien, mit denen die Schlauköpfe Schwermetalle im Boden für Pflanzen unschädlich machen können. Das
ist wichtig, weil das Gift die Wurzeln sonst am Wachsen hindert und die Pflanzen schließlich abknicken.

"Unsere Methode wirkt langfristig und funktioniert ganz ohne Chemie. Wir geben nur dem Ökosystem einen Tritt." So einfach ist das. Der Güstener Maximilian Seidel bringt eine Idee auf den Punkt, auf die noch kein promovierter Wissenschaftler gekommen ist. Ein Schüler, der erst seit einem Jahr Auto fahren und Verträge unterschreiben darf.

Wirkungskraft aus Bakterien und der Grasnelke
Besagte Bakterien sind in verseuchten Böden bereits enthalten. Man muss sie nur in der Petrischale vermehren - zum Beispiel mit Hefe - und das Ganze zurück in die Erde geben. Staßfurterin Lisa Schuchhardt, zarte 18 Jahre alt, schildert den Rest:
"Sie bilden dann eine Schutzschicht um die Pflanzenwurzel, sodass sie ungestört weiterwachsen kann."

Damit das Schwermetall nicht nur unschädlich ist, sondern auch aus dem Boden verschwindet, gehört zum Rettungsplan der jungen Forscher auch die Grasnelke. Sie nimmt Schwermetalle auf und muss danach nur abgeerntet werden - arbeitet allerdings gähnend langsam. 200 bis 500 Jahre braucht sie für zwei Gramm Schwermetall. Dank der Bakterien mit den komplizierten Namen kann diese Zeit nun einfach überbrückt werden. Das Ganze funktioniert mit acht Schwermetallen.

Forschung im Naturschutzgebiet Salegaster Aue
Die Idee zum Projekt kam Maximilian Seidel schon 2012, als er ein Jahr lang in den USA lebte. "Ich habe in der Nähe einer Bergbauregion gewohnt", erzählt er. "Im Sommer durfte man dort nicht in den Flüssen baden, weil sie jede Menge Silber und
Blei enthielten." Dagegen sollte man sich mal etwas einfallen lassen, dachte sich die ausgebremste Wasserratte.

"Unsere Methode funktioniert langfristig und ohne Chemie. Wir geben nur dem
Ökosystem einen Tritt."

Als Maximilian zurück war, holte er Mitschülerin Lisa ins Boot und klopfte mit seiner Vision beim Landesamt für Geologie und Bergwesen an. Die Experten schickten die beiden zum Forschen in das Naturschutzgebiet Salegaster Aue. Da es nicht weit vom
Industriegebiet Bitterfeld/Wolfen entfernt ist, liegt der Bleigehalt dort viermal so hoch, wie die Grenzwerte es erlauben.

Mit Bodenproben im Gepäck setzten sich die Jungforscher im Schülerlabor Gatersleben (Salzlandkreis) ans Mikroskop. Auf der Suche nach Bakterien in ihrer Erde stießen sie dann auf einige, sehr wenige Exemplare, die den Schwermetallen trotzten. Die könnten den Pflanzen helfen, vermuteten die Salzländer.

Eiweiße binden Schwermetalle
Ohne zu wissen, womit genau sie es zu tun hatten und ob die Bakterien tatsächlich etwas bewirken, reichten sie ihr Zwischenergebnis 2013 bei Jugend forscht in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften ein - und schieden in der Landesrunde
aus. "Die Juroren empfahlen uns, dass wir das Projekt weiterentwickeln und dann noch einmal antreten", erzählt Lisa.

Also forschten die Zwei munter weiter und wurden fündig. Unter einem Fluoreszenzmikroskop entdeckten sie in den Bakterien Eiweißspuren. Volltreffer. Denn Eiweiße binden bekanntermaßen Schwermetalle; die Zwei hatten bewiesen, dass ihre Bakterien den Pflanzen helfen können. Mit einer DNA-Analyse, für die sie zum Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung nach Leipzig fuhren, schafften es die Salzländer dann auch noch, die Bakterien zu identifizieren.

Jetzt mussten sie nur noch testen, wie sie die Pflanzen-Beschützer am besten vermehren - im Vergleich zur Vorarbeit ein Kinderspiel.

Extrem beeindruckende "Jugend forscht"-Konkurrenz
Als Kirsche auf der Sahne servierten sie den Jugend-forscht-Juroren noch eine Kostenschätzung: Zwischen 2400 und 3400 Euro pro Kubikmeter Boden zahlt man mit ihrer Methode. Eine andere, rechneten sie vor, sei dreimal so teuer.

Doch auch wenn ihr Projekt jetzt wasserdicht erforscht war: Dass sie damit den Bundessieg holen, hätten die Zwei nicht gedacht. "Schon die Präsentationsstände der anderen beim Finale waren extrem beeindruckend", erzählt Maximilian Seidel.
"Zwei kamen mit einem Traktor angefahren, einer brachte sogar einen Flugsimulator mit."

Staßfurter Gymnasium hilft bei Investition in Patent
Lisa Schuchhardt konnte sich das Spektakel im baden-württembergischen Künzelsau gar nicht erst anschauen: Sie lag krank im Bett. Vom Erfolg der beiden erfuhr sie deshalb in einer SMS. "Wir sind Bundessieger", stand darin. Sehr pragmatisch. Aber mehr brachte der überwältigte Maximilian im ersten Moment einfach nicht aufs Display.

"Zwei kamen zum Finale mit einem Traktor angefahren, einer brachte sogar einen
Flugsimulator mit."

Vor dem Final-Wochenende haben die beiden noch schnell dafür gesorgt, dass niemand ihre Idee klaut. Sie meldeten ein Patent an. Eine teure Angelegenheit, erzählt Maximilian Seidel: "Alles in allem kostet das Patent etwa 3000 Euro." Aus den Vorrunden hatten die Salzländer rund 700 Euro zur Verfügung; an die Siegprämie beim Bundesfinale war damals nicht zu denken.

Damit sich die Zwei nicht verschulden mussten, leistete der stolze Schulleiter Schützenhilfe, Steffen Schmidt vom Dr-Frank-Gymnasium Staßfurt. Er vermittelte einen Kontakt zur Sparkasse, die den beiden ein Sonder-Darlehen gab. Das ist zinslos und muss nur zurückgezahlt werden, wenn die Zwei mit ihrem Projekt Gewinne einfahren.

Bundessieger wollen studieren
Mit der Patentanmeldung haben sich die Gymnasiasten die Rechte an ihrer Idee erst einmal reservieren lassen. Die Beantragung steht aber noch aus; vorher muss das Patentamt recherchieren, ob die Methode tatsächlich neu ist.

Wenn das Prozedere durch ist, fehlt nur noch ein Unternehmen, das den beiden ihr Patent abkauft. Mit dem Bundestitel in der Tasche können die Gymnasiasten gut die Werbetrommel rühren. "Firmen werden auf Erfindungen oft durch Artikel in Wissenschaftszeitschriften aufmerksam", erklärt Maximilian Seidel. "Dort als Jugendforscht- Sieger etwas zu veröffentlichen, dürfte machbar sein."

Bis ihnen der erste Firmenboss einen Scheck vor die Nase hält, arbeiten die Ökohelden erst einmal weiter an ihren Superkräften - in Form von geballtem Wissen. Sobald sie ihrem Abitur den letzten Schliff verpasst haben - bei Maximilian läuft es auf einen 1,1er Schnitt heraus, bei Lisa auf 1,5 - fangen sie an zu studieren. Bei ihr soll es Physik sein, bei ihm Biologie. Mit dieser Wahl können sie später wohl noch mehr Giften mit vereinten Kräften das Fürchten lehren.


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